Pinsel

Stipendiaten 2020/2021

Ya-Wen Fu

Ya-Wen Fu: Unter Spannung, Multimedia-Installation und Performance, 2015 ©Adam S. Fischer

Ya-Wen Fu: Unter Spannung, Multimedia-Installation und Performance, 2015 ©Adam S. Fischer

Unter Spannung: Der Mensch ist stets an gesellschaftliche Prägungen und Zwänge gebunden. Ihrer Vorstellung von der systemischen Gefangenschaft des Körpers, verleiht Ya-Wen Fu mit Performances künstlerischen Ausdruck, die sie selbst als „animierte Plastiken“ bezeichnet.

In ihren Arbeiten präsentiert sie sich als reales Individuum im Ausstellungsraum. Statt sich dem Publikum vollkommen auszuliefern und die eigene Verletzlichkeit bloßzulegen, verbirgt sich die Künstlerin hinter schützenden und zugleich stützenden Konstruktionen, die als Erweiterungen des menschlichen Körpers fungieren. Doch handelt es sich bei den Apparaturen um Rüstungen, die Unheil abwenden, oder vielmehr um Käfige der Unterdrückung?

Das Verhältnis von Körper und Raum bildet Ya-Wen Fus Arbeitsschwerpunkt. Dabei dient die physische Präsenz im Raum als Verortung innerhalb abstrakter Konzepte wie dem Raum, in dem Menschen fühlen und handeln. Anhand dessen werden kritische Analysen des Individuums möglich und Fragen nach der Abgrenzung zu seiner Umgebung gestellt.

Ya-Wen Fu ©Corinne Holthuizen-Habermann

Ya-Wen Fu ©Corinne Holthuizen-Habermann

Ya-Wen Fu (*1980) studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und war hier Meisterschülerin in der Fachklasse für Medienkunst. Ihre Arbeiten waren im Tainan Art Museum II, Taiwan (2019), im Kaohsiung Museum of Fine Arts Taiwan (2019), in der HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden (2018), in der ZKM | Zentrum für Kunst und Medien (2018), in der Kunsthalle Exnergasse (KEX) WUK/Wien. (2017), und im Museum LABoral Centro de Arte y Creación Industrial Gijón (2014) zu sehen. 2018 gewann sie den Kunstpreis „A-i-R CYNETART 2018“. Ihre Arbeit wurde durch ein Artist in Residence Stipendium der Kunstministerin (2019), durch ein Artist in Residence Stipendium vom Nationalmuseum für moderne und zeitgenössische Kunst Seoul (2016) und die Nationale Stiftung für Kultur und Kunst (NCAF) (2019) gefördert.

www.bearfuinberlin.com

Ronny Lischinski

Ronny Lischinski: Versuche mit Denken, Öl, Lack und Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2020

Ronny Lischinski: Versuche mit Denken, Öl, Lack und Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2020

Die Bilder, Objekte und Installationen von Ronny Lischinski vermitteln in einer ruhigen, gedämpften Stimmung, die einer Atempause oder dem Neuanfang nach einer Katastrophe gleicht, ein Verständnis für das Tragische. Bilder mit diffusen, halb abstrakten Landschaften und Figurenfragmenten und Installationen aus neu kombinierten Alltagsfundstücken erzählen von einer Faszination für das Fremdartige.

Die apokalyptisch anmutenden Szenerien strahlen erstaunlicherweise etwas Positives, teils sogar Spielerisches aus. Seinen Landschaften und Figuren wohnt etwas Fabulöses inne, das jedoch jedem narrativ ausgerichteten Traumbild übergeordnet ist. Er entwirft Stimmungen statt
Geschichten und rührt an so etwas wie einem lose verschütteten, kollektiven Gedächtnis.

Text aus: Gesine Borcherdt: Erdung und Öffnung

Ronny Lischinski ©Corinne Holthuizen-HabermannRonny Lischinski studierte von 2002 bis 2008 an der HBK-Braunschweig bei Friedemann vonStockhausen und Johannes Hüppi. 2009 war er Meisterschüler bei Olav Christopher Jenssen. Gefördert wurde er unter anderem durch Stipendien in New York und China. Seine Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen wie der Sammlung Philara in Düsseldorf, der Sparkassenstiftung Holstein, der VW-Bank Braunschweig und des XZCH Cultural Development Peking sowie in Privatsammlungen in Europa, den USA und China vertreten.

www.ronnylischinski.blogspot.com