Stipendiaten 2016/2017

Antje Dorn

Antje Dorn: N° 29 (blue clouds) aus der Serie "Milkyway"

N° 29 (blue clouds) aus der Serie „Milkyway“

Antje Dorn befasst sich in ihren Gemälden, Objekten und Fotografien mit der Zeichenwelt modernen Lebens. In umfangreichen Serien hat sie sich der Ikonografie von Schokoriegeln und Fotoapparaten, Autos und Imbissbuden, Flaschen und Flüssigkeiten gewidmet. Mit einer bewusst ungelenken Darstellungsweise und dem subversiven Einsatz von Beschriftung zerlegt sie die Werbepräsentationen in ihre Bestandteile und entlarvt deren absurde Versprechen. In der Serie Motorgirls (2000/2001) konterkariert die Künstlerin das Marketing-Motiv, das neue Autos mit jungen Frauen kombiniert, mit großer Lust am Komischen, indem sie alternative Entwürfe von Weiblichkeit und Kraftfahrzeug variantenreich zur Anschauung bringt. In anderen Serien hat Antje Dorn phantastische Architekturkomplexe mit schwebenden Gebäudewürfeln, Pools und Plattformen entwickelt (Bauten, 2013/2014) sowie Landschaftsbilder als Kompositionen aus amorphen, monochromen Formen vorgelegt (Milkyway, 2011/2012). Im Förderzeitraum will die Künstlerin an ihrer Serie weiterarbeiten, in der sie sich mit Bewegungen und Begegnungen von Menschen im urbanen Alltag beschäftigt.

Antje Dorn hat zwischen 1984 und 1989 an der Folkwang-Hochschule Essen und von 1989 bis 1994 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf studiert. Ihre Arbeiten waren u.a. in der Berlinischen Galerie (2013/14), im Museum Folkwang (2011) und dem Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin (2005) zu sehen. Sie hat u.a. Stipendien der Stiftung Kunstfonds, Bonn (2004 und 1997), der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Berlin (2001), und des Künstlerhauses Schloss Balmoral, Bad Ems (1997) erhalten.

Weitere Informationen: www.antjedorn.de

Rona Kobel

Rona Kobel: Bibi Aisha Mohammadzaiaus der Serie "shining recollection", 2015

Bibi Aisha Mohammadzai, 2015

Rona Kobel taucht die Wirklichkeit in unschuldiges Weiß. Erst auf den zweiten Blick offenbaren die Porzellanfiguren der Berliner Künstlerin jene Bilder des Schreckens, die einst durch die Nachrichten gingen und sich nun, isoliert aus der zweidimensionalen Informationsflut, in unbehaglich realer Körperlichkeit dem Betrachter aufdrängen. So können Kobels Bibi Aisha, James Foley oder Thích Quảng Đức anders als ihre fotografischen Vorlagen, nicht einfach weggeklickt, überblättert und somit schnell wieder verdrängt werden, sondern fordern zum Innehalten in einer direkten Auseinandersetzung auf – eine Divergenz, die auf produktionsästhetischer Ebene der materialbedingte Kontrast von flüchtiger Augenblicklichkeit der Momentaufnahme und langwieriger Prozesshaftigkeit der Porzellanherstellung reflektiert.

Auch bei ihren fotografischen Serien findet Kobel zentrale Motive im medial geprägten Kollektivgedächtnis, zu dem Filme wie Eyes Wide Shut oder Brokeback Mountain zählen. Wurden für Porcelain Love (2015) Szenen, die ein scheinbares Ideal von Liebe und Sexualität prägten, in antiker Anmutung adaptiert und dementsprechend statuesque nachmodelliert, dekonstruiert Parallels (2015) jene Perfektion schließlich durch die Freilegung der einzelnen Bildbearbeitungsstufen und lässt erneut tief blicken – hinter die makellose Fassade der perfekt inszenierten Realität.

Ihr Studium an der Universität der Künste Berlin hat die Fotografin und Bildhauerin Rona Kobel 2015 als Meisterschülerin abgeschlossen. Zur Umsetzung ihrer aufwendigen Porzellan-Arbeiten erhielt sie eine Material- und Produktionsförderung der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin. Rona Kobel präsentierte ihre Werke bereits in zahlreichen Ausstellungen, u.a. in der Galerie Hübner & Hübner, Frankfurt (2016), im Elektrohaus, Hamburg (2015) und 68 projects, Berlin (2015). www.ronakobel.de

Weitere Informationen: www.ronakobel.de

Thomas & Renée Rapedius

Thomas & Renée Rapedius: Installationsansicht, Galerie im Marstall, Ahrensburg, 2016

Installationsansicht, Galerie im Marstall, Ahrensburg, 2016

Kennzeichen des Werks von Thomas & Renée Rapedius sind die formalen Ähnlichkeiten, die ihre konzentrierten Arbeiten und deren motivischen Bezüge auf Flora und Fauna, Geologie und Architektur, Körper und Dinge verbinden. In Büchern und Ausstellungen entwirft das Künstlerpaar ein dichtes Referenzgefüge zwischen ihren Zeichnungen, Fotografien und Objekten, das immer wieder neue Sichtweisen und Deutungen der jeweiligen Bildbestände ermöglicht. So lassen in vertikalen Bahnen gereihte Schwarzweiß-Drucke herabstürzendes Wasser assoziieren, wenn sie mit Papierobjekten konfrontiert werden, die an Blüten oder Vasen erinnern. In anderen Kontexten hingegen verweisen die Drucke auf Skylines oder Kalligraphie. Mit dieser Arbeitsweise gelingt es dem Künstlerpaar, das dialektische Verhältnis zwischen Kultur und Natur zu thematisieren, über Archetypen zu reflektieren und Wahrnehmungsprozesse zwischen empirischen Erkennen und kulturellem Erinnern zu entwerfen. Im Förderzeitraum wollen sich Thomas & Renée Rapedius in einer Reihe neuer Zeichnungen und Fotografien verstärkt mit den Sujets Wasser und Horizont befassen.

Thomas & Renée Rapedius wurden in Niedersachen geboren. Beide haben an der Hochschule für bildende Künste Hamburg studiert, Thomas von 1997 bis 2004 Visuelle Kommunikation, Renée von 1999 bis 2004 Freie Kunst. Ihre Arbeiten wurden u.a. im Museum Schloss Morsbroich in Leverkusen (2012), im Daejeon Museum of Art in Südkorea (2010) und im Museum Marta Herford (2009) gezeigt. Sie haben u.a. Stipendien vom Goethe Institut Kyoto (2014), von der Stiftung Kunstfonds Bonn (2012) und vom Goethe-Institut Bangalore (2009/10) erhalten.

Weitere Informationen: www.rapedius.net

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