162. Schinkelwettbewerb: Visionen für das Westkreuz

Preisträger des Sonderpreises Kunst 2017

Der 162. Schinkel-Wettbewerb des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin nahm das Berliner Westkreuz in den Blick. Ziel war es, verschiedene Entwicklungspotentiale rund um den Verkehrsknotenpunkt herauszuarbeiten.

Ausgehend von dem Szenario einer touristischen und wirtschaftlichen Erschließung des Weltraums, liefern Svenja Frisch und Henning Niehoff (BTU Cottbus) mit „Säulen der Schöpfung“ einen Vorschlag zur infrastrukturellen Anbindung des Westkreuzes an das All. Ein futuristischer Spaceport fungiert als mehr oder weniger freischwebender Bahnhof für den Personen- und Frachtverkehr zwischen Erde und Universum, der über eine fahrstuhlähnliche Konstruktion abzuwickeln sei. Der Entwurf verknüpft filmische Perspektiven mit der Fortführung städtebaulicher Utopien der 50er und 60er Jahre. Während die verkehrsgebundene Funktionalität des Standortes dabei seine absurde Übersteigerung erfährt, kontrastiert die Arbeit „Trip“ den abweisend trostlosen Charakter des Gebiets mit einem Vorschlag zu seiner Umnutzung als hedonistischen Naherholungspark.

Unter dem Motto „Free your mind“ inszenieren Luisa Appenrodt, Ann-Sophie Krüger und Berit Trebesch (FH Erfurt) das Westkreuz als Ort der kollektiven Bewusstseinserweiterung, an dem Kindheitserinnerungen, Träume, Wünsche und Hoffnungen aufleben und zu ihrer vollen Entfaltung gebracht werden sollen.
Beide Ansätze verstehen sich als freigeistige Spielarten, das visionäre Potential einer Entwurfsarbeit voll auszuschöpfen. Verknüpft mit der Ermutigung, sich einerseits für die eigene und andererseits für eine übergeordnete Gedankenwelt zu öffnen, stellen beide Arbeiten exemplarische Möglichkeiten vor, den Diskurs über architektonische, städtebauliche, verkehrsplanerische und konstruktive Fragen hinaus, um grenzüberschreitende Dimensionen zu bereichern. Deshalb wurden beide Vorschläge vom Schinkelausschuss und den diesjährigen Preisrichtern mit dem Sonderpreis „Freie Kunst“ der Hans und Charlotte Krull Stiftung zu je 600 Euro gewürdigt.

ausgezeichnet | gefördert 2014-2016

Stipendiaten-Ausstellung in der galerie weisser elefant 11.2.-11.3.2017

In der Reihe „ausgezeichnet | gefördert“ präsentiert die Hans und Charlotte Krull Stiftung Berliner Künstler, die sie mit Arbeitsstipendien gefördert hat. In ihrer dritten Auflage gastiert die Ausstellung in der galerie weisser elefant und zeigt aktuelle Arbeiten von Marc Bijl, Cyrill Lachauer, Bettina Nürnberg, Peter Pumpler und Fiete Stolte, die zwischen 2014 und 2016 ausgezeichnet wurden.

Marc Bijl: Tay, 2016

Marc Bijl: Tay, 2016

Auf den ersten Blick erschienen die provokanten Arbeiten des Niederländers Marc Bijl als Rebellion eines Enfant terribles gegen jede Konvention. Doch bei näherer Betrachtung offenbaren beispielsweise seine malerischen Übersetzungen moderner Kunstikonen in eine vom Graffiti inspirierte, plakative Bildsprache die formal und inhaltlich fundierte Dekonstruktion von Mythos und Utopie.
Als künstlerischen Gegenentwurf zu anthropologischen Feldforschungen dokumentiert Cyrill Lachauer seine Suche nach jenen Wahrheiten, vor denen die Geschichtsschreibung verstummt. Motive für seine essayistischen Reflexionen über die komplexen Beziehungen von Natur und Kultur findet der Fotograf, Filmemacher und Autor u.a. auf Reisen, die ihn jüngst wiederholt in die USA führten.
In ihren filmkünstlerischen Werken fokussieren Bettina Nürnberg und Dirk Peuker Orte, die, in die Gegenwart eingebunden, ihre ursprüngliche Bestimmung leugnen. Durch verräterische Untertöne und pointiert gesetzte Abstraktionen entlarven sie meditativ anmutende Idyllen als trügerische Fassaden der Verdrängung. Bild für Bild legen sie frei, was Stein und Putz verbergen und metaphorisieren damit existentielle Fragen des Menschseins.
Peter Pumpler befreit die Malerei aus den Zwängen der Zweidimensionalität. Er faltet, rollt und stapelt Lacklachen, verdreht, verklebt und verbeult Leinwände und lässt Farben über den Keilrahmen hinaus, auf Wände und Böden fließen. Seine experimentelle Auseinandersetzung mit der Materialität des Mediums führt künstlerische Traditionslinien der gegenstandslosen Malerei auf eine völlig neue Ebene.
Zentrales Anliegen im Werk von Fiete Stolte bildet die Durchdringung von zeitlichen, räumlichen und materiellen Gewissheiten. Mit gattungsübergreifenden, konzeptuellen Arbeiten generiert der Künstler die simultane Erfahrung von Polaritäten wie gleichzeitige Anwesenheit und Absenz. Dabei dient ihm der eigene Körper als Maß und Gegenstand der künstlerischen Dokumentation scheinbar paradoxer Realitäten.

Die Ausstellung „ausgezeichnet | gefördert“ wird am Samstag, den 11. Februar 2017, um 19 Uhr in der galerie weisser elefant eröffnet. Sie wird dokumentiert durch einen Begleitkatalog.

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