Hans und Charlotte Krull

Hans und Charlotte Krull (Künstler- und Geburtsname: Biewald) sind die Namensgeber der Stiftung. Beide machten eine Theaterkarriere: Charlotte in erster Linie als Sängerin und Tänzerin, Hans als Schauspieler und später auch als Regisseur. – Ihre Tochter Charlit wurde 64 Jahre alt. Sie lebte in Berlin. Bevor sie im Jahr 2009 ihrer Krankheit erlag, richtete sie testamentarisch mit einem Teil ihres Nachlasses eine Stiftung ein. Die Förderung der bildenden Künste sowie der Gartenbaukunst lag ihr am Herzen. Nicht ihren eigenen Namen wollte sie aber in den Vordergrund gerückt wissen. Mit dem Namen der Stiftung sollte die Erinnerung an ihre Eltern öffentlich fortleben.
Sowohl Hans als auch Charlotte sind Kinder des ersten Weltkriegs, er 1916 in Berlin und sie 1918 in Breslau geboren.
Hans Krull hegte bereits nach seinem Realschulabschluss den „heißen Wunsch, Schauspieler zu werden“, der um so drängender wurde, als sich sein Vater seinen Sohn nicht als jugendlichen Held und Liebhaber vorstellen mochte und ihn in eine Lehre bei einer Großhandelsfirma drängte. Hans setzte seinen Wunsch letztlich doch durch. Er nahm Gelegenheit, mehreren anerkannten Künstlern vorzusprechen. Durch deren Urteil unterstützt, gewann er das elterliche Einverständnis. Nach drei Jahren bürgerlichen Berufs besuchte er die Schauspielschule im Deutschen Theater, Berlin, und beendete seine Ausbildung bei Otto Brefin per Privatunterricht. Galt Hans Krull als hochgewachsen, mit braunen Augen und braunem Haar, so waren Charlottes Augen graublau, ihre Statur nur mittelgroß. Ihr Weg zum Theater war eher unbeschwerlich, besuchte sie doch vom 10. Lebensjahr an die Ballettschule des Opernhauses Breslau, und bald zog man sie zu kleinen Solo-Rollen heran. So wurde man früh auf ihr außergewöhnliches Talent aufmerksam.
Schon mit 17 Jahren, also kurz nach ihrer Mittelschulzeit, spielte sie die Esmeralda in „Die verkaufte Braut“ am Breslauer Opernhaus, und im Alter von 19 Jahren ging sie als 1. Operetten-Soubrette nach Göttingen. Göttingen, Aachen, Mönchen-Gladbach waren u.a. die Stationen auf dem Weg nach Berlin, dem großen Zielort ihres künstlerischen Strebens. Ihr Hauptfach blieb die leichte Muse. Sie arbeitete als Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin. Ihre Rollen sind ungezählt. Besonders angetan hatte es ihr die Titelpartie in Lehárs Operette „Friederike“, 1942 im Theater an der Reeperbahn in Hamburg, eine anspruchsvolle Herausforderung. Die Aufführung begegnete Vorbehalten, auch weil die „Goethe-Friederike“ nach Ansicht vieler Literaturliebhaber in einer Operette nichts zu suchen hatte. Der Erfolg war dennoch riesig, Charlotte Biewald erhielt eine Vertragsverlängerung und Gagenerhöhung, und das in der Zeit des Nationalsozialismus, in der Lehár-Werke zeitweise verpönt waren.
Beim Studium der Theaterkritiken entsteht leicht der Eindruck, Charlotte Biewald habe womöglich alle (Titel-)Rollen aus der Gattung „Wiener Blut“ und „Feuerwerk“ gespielt. Und auch Hans Krull hat in einer unübersehbaren Zahl an Produktionen mitgewirkt: am Theater sowie bei Film und Fernsehen als Schauspieler (später auch als Regisseur) und in Rundfunk-Hörspielen. Zu seinen Stationen gehörten Posen, Straßburg, Stuttgart (Franz Moor in „Die Räuber“), Bremen und natürlich Berlin, wo wir ihn 1948 im „Neuen Theater“ in der Schönhauser Allee als Regisseur des Stücks „Verliebtes Spiel“ finden, zugleich aber auch als Schauspieler neben Charlotte Krull, die als Künstlernamen weiterhin Charlotte Biewald beibehielt. – Übrigens war für beide das Stadttheater Göttingen im Jahr 1937 eine frühe Station, und man kann heute nur noch spekulieren, ob sie sich bereits damals kennengelernt hatten.
Hans Krull hat so gut wie alles gespielt, heiter und ernst, von Anouilh („Leocardia“ mit Hermine Körner) bis zum Film „Im Banne des Unheimlichen“ von Edgar Wallace, in Van de Veldes Film „Die vollkommene Ehe“ bis zu Ibsens „Nora“ im Berliner Schlosspark-Theater.  Er wirkte im Jahr 1979 u.a. in der Fernsehserie „Ehen vor Gericht“ mit, in die er eigene Lebenserfahrungen hätte einbringen können, denn Hans und Charlotte Krull ließen sich scheiden.
Der Name Hans Krull wird heute wohl eher Erinnerungen wecken, als der von Charlotte Biewald. Dabei war Charlotte vor dem Krieg und ein paar Jahre danach durchaus eine gefeierte Künstlerin. Ihr professionelles Engagement und ihre persönliche Ausstrahlung beschieden ihr sowohl in der Nazi-Zeit als auch in den ersten Jahren der DDR (z.B. Metropol-Theater, Berlin) große Erfolge. Ähnliches gilt auch für Hans Krull, der nach einer Zeit u.a. als Direktor des „Berliner Neuen Theaters“ in Ost-Berlin mehr und mehr als westdeutscher Schauspieler viel Anerkennung fand. Nicht zuletzt des breiten Verwendungsspektrums wegen war er auch in der Öffentlichkeit sehr präsent. Das reichte bis zu Spielfilmen (s.o.), ja, bis zum damals neuartigen Play-back-Verfahren für eine NWDR-Opernproduktion im Fernsehen (s. hier „Der Spiegel“ Nr. 4, 28 (1954): „Krulls Lippenspiel“).
Hans Krull wird als gut aussehend, sehr männlich und stimm-mächtig beschrieben. Seine Vielseitigkeit zeigte sich auch außerhalb seiner Schauspielerkarriere. Ab Mitte der 1960er Jahre betätigte er sich nebenher auch als erfolgreicher und geschickter Geschäftsmann. Charlotte kennzeichnen die Adjektive „charmant, bezaubernd, natürlich“. Zu einigen ihrer Künstlerkollegen entwickelte sie in ungekünstelter Art freundschaftliche Beziehungen, interessanterweise um die 1940er Jahre auch zu Herbert von Karajan, von dem ein paar Briefe an sie vorliegen. Victor de Kowa galt als gern gesehener Gast im Hause Krull.
Hans Krull verstarb 1983 im Alter von 69 Jahren, Charlotte 1992 als 74-Jährige.
Tochter Charlit hing so sehr an ihren beiden Eltern, dass sie deren Andenken durch die Einrichtung der „Hans und Charlotte Krull Stiftung“ gewahrt sehen wollte.

Die Stiftung unterhält ein Archiv, das am Austausch von Informationen interessiert ist.

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