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Stipendiaten 2018/2019

Heiner Franzen

Heiner Franzen: "Großes Gesichtsfeld", 2018, Mixed Media, Haus am Lützowplatz (Ausstellungansicht)

Heiner Franzen: „Großes Gesichtsfeld“, 2018, Haus am Lützowplatz (Ausstellungansicht) Foto: Jan Windszus

 

Heiner Franzen transportiert „Charaktere“: gezeichnete, animierte, in Performances, Installationen und Objekte gesetzte Figuren, die sich mit jeder neuen Umgebung neu konstituieren. Franzens Quelle sind Kino- oder Teenagererlebnisse, sein Motiv ist die „Auflösung der Grenzen von Zeichnung und Film“ so der Kunstkritiker Kolja Reichert. „Es sind zerbrechliche Formen mit schnellem, skizzenhaftem Strich, knapp diesseits der Grenze zur Abstraktion. Köpfe mit einem Auge oder keinem, das Sichtfeld oft mit Flächen verstellt, die aufgeklappten Büchern ähneln oder Virtual-Reality-Brillen. Ein unüberschaubares Repertoire solcher ‚Characters‘ zieht sich durch Franzens Zeichnungen, taucht, teils in Abständen von Jahren, in veränderter Form wieder auf – wie digitale Dateien, die sich in der Übertragung von einem Format ins andere verändern. Jede Zeichnung ist wie ein Einzelbild eines inneren Films, der im Feedback-Loop mit wechselnden Medien fortlaufend mit dem eigenen Umschneiden beschäftigt ist.“

 

Heiner Franzen studierte an der Hochschule für Kunst in Bremen und an der Hochschule der Künste in Berlin (UdK). Das Haus am Lützowplatz widmete ihm jüngst eine viel beachtete Personalausstellung (2018). Seine Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Sie sind Teil nationaler und internationaler Sammlungen, wie dem n. b. k. oder der Berlinischen Galerie oder der West LB Collection und Pall Mall Capital Ltd. In London.

www.heinerfranzen.de

Julia Ossko und Eugen Schulz aka Leonid Keller

 

Leonid Keller: "#shapeofalake", 2016, Neukirchen (A) (Installationsansicht)

Leonid Keller: „#shapeofalake“, 2016, Neukirchen (A) (Installationsansicht)

Seit 2013 arbeiten Julia Ossko und Eugen Schulz als Künstlerduo unter dem Namen Leonid Keller zusammen. Das Entwickeln von Ausstellungen zu bestimmten Themenschwerpunkten gehört zum Kern ihrer Arbeitsweise. Darin präsentieren Leonid Keller verschiedene Werke unterschiedlicher, künstlerischer Disziplinen als geschlossene Installationen. Hierbei liegt der Fokus auf der auf der werkimmanenten und der Korrespondenz mit dem jeweiligen Ort. In ihren Arbeiten findet sich ein Eingebundensein der einzelnen Bilder in einen politischen und soziokulturellen Kontext, der die Neuordnung einer kollektiv anerkannten Wirklichkeit beschreibt. Es geht den beiden dabei um eine neue Bildgebung, die jene gesellschaftlichen Konstruktionen verdeutlicht, die ihre Generation zu dem macht was sie ist. Thematisch zeigt sich das Künstlerduo seiner persönlichen Geschichte besonders verbunden, die sich zwischen der sozialistischen, ehemaligen UDSSR und dem kapitalistischen Nordamerika abspielt. Diese Einflüsse bilden den Aktionsrahmen und Entstehunghintergrund der fiktiven Figur Leonid Keller, hinter der sich Julia Ossko und Eugen Schulz als reale Figuren verbergen.

 

Eugen Schulz wurde 1984 in Uspenka, Kasachstan geboren und studierte Grafik und Farbdesign an der HAWK Hildesheim, Freue Kunst an der Polytechnical University St. Petersburg und Raumstrategie an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Julia Ossko wurde 1978 in München geboren und studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Seit ihrer Zusammenarbeit als Künstlerduo stellten Leonid Keller in Berlin und München sowie in Österreich und Vietnam aus. 2018 kuratieren sie erstmals das Kunstprojekt P-CAP auf der griechischen Insel Paxos.

www.leonidkeller.com

Oskar Schmidt

Oskar Schmidt: "Liquid", 2016, Fotomuseum Winterthur (Installationsansicht)

Oskar Schmidt: „Liquid“, 2016, Fotomuseum Winterthur (Installationsansicht)

 

Oskar Schmidts klare und streng reduzierte Bilder sind das Ergebnis sorgfältiger Arrangements als auch digitaler Bildmanipulation und zeigen spiegelglatte Oberflächen, entrückte Objekte oder isoliert dargestellte Porträts, die über die bloße Abbildungstechnik der Fotografie hinausgehen. „Liquid“, der Titel seiner aktuellen Arbeit, bezieht sich dabei nicht nur auf die wellenförmigen Wasserstrahlen, die in einigen neuen Bildern zu sehen sind, sondern auch darauf, wie fließend fotografische Bilder im 21. Jahrhundert gemacht und modifiziert werden – und wie verwirrend ihre Lektüre ins Gleiten geraten kann. Im übertragenen Sinne bezieht sich der Titel ebenso auf den fluiden Charakter digitaler Bilder als auch auf ihre zunehmende Zirkulation in der Öffentlichkeit. Während Photoshop einst ein verborgener Bestandteil seines Arbeitsablaufs war, gibt sich der Künstler hier ganz den Möglichkeiten und der Grammatik des virtuellen, digitalen Raumes hin, mit dem die Fotografie heute unauflösbar verknüpft ist.

 

Oskar Schmidt hat an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (1998-2002) und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (2002-2008) studiert. Er war Meisterschüler bei Timm Rautert. Seine Arbeiten waren u.a. bei C/O Berlin (2017), dem Fotomuseum Winterthur (2016), dem Center for Creative Photography, Tucson/Arizona (2015) und der Zabludowicz Collection London/New York (2013) zu sehen. Er hat u.a. ein Kulturaustauschstipendium des Landes Berlin für São Paulo (2018), das EHF 2010 Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung (2017/18), den Marion Ermer Preis (2013) und den C/O Berlin Talents Award (2009) erhalten.

www.oskarschmidt.de

Nina Schuiki

 

Nina Schuicki: "Store", 2017, Hamburger Bahnhof (Installationsansicht)

Nina Schuiki: „Store“, 2017, Intervention am Hamburger Bahnhof

 

Nina Schuikis Arbeitsweise zeichnet ein besonderer Umgang mit Orten und Situationen aus. Durch ihren expliziten Bezug auf räumlich-temporale und historische Kontexte lenkt sie die Aufmerksamkeit auf Aspekte, die den Räumen und Begebenheiten per se eingeschrieben sind, aber zumeist nicht wahrgenommen werden. So gelten Schuikis Interesse und künstlerische Konzepte insbesondere Fragen der Formfindung von Kunst wie auch Akten der Sichtbarmachung und Wahrnehmung. Walter Benjamin sprach von einer „Wolkenwandelbarkeit der Dinge“, die sich metaphorisch wie auch buchstäblich auf Arbeiten von Nina Schuiki übertragen lassen kann. Und doch bleiben ihre ästhetischen Setzungen stets konkretes Handeln in Zeit und Raum, das im Hier und Jetzt in sichtbaren Ursache-Wirkungsprinzipien verhaftet ist. Nina Schuiki erprobt mit ihren minimalen ästhetischen Eingriffen in Raumsituationen und Atmosphären eine erstaunlich greifbare Entmaterialisierung der Kunst, die genau durch dieses scheinbare Paradoxon zu erstaunen vermag. (Julia Katharina Thiemann)

 

Nina Schuiki studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin und Fotografie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Sie war Teilnehmerin am Institut für Raumexperimente, Berlin. Arbeiten von Nina Schuiki waren u.a. im Hamburger Bahnhof, Berlin (2017), Künstlerhaus Frise, Hamburg (2017), Paul-Clemens Museum, Bonn (2017), Gotische Halle, Graz (2016), Space Station, Peking (2016), Forum Stadtpark, Graz (2016), Villa Romana, Florenz (2016), Mumok, Wien (2015), 1933 Contemporary, Shanghai (2015), Neue Nationalgalerie, Berlin (2014), Modern Art Museum, Addis Abeba (2014), Vitamin Creative Space, Guangzhou (2014) und dem Museum für Fotografie, Berlin (2013) zu sehen.

www.ninaschuiki.org