AIV-Schinkel-Wettbewerb 2026 Luckenwalde

Am 13. März 2026 wurde das Projekt „Ode an Luckenkien“ von Julia Treichel (Technische Universität München) mit dem Sonderpreis der Hans und Charlotte Krull Stiftung sowie dem Sonderpreis der Stiftung Berliner Leben im Rahmen des AIV-Schinkel-Wettbewerbs 2026 Luckenwalde ausgezeichnet.

Nukleus des Konzeptes ist das „Luckenwalder Lied“ von 1920, in dem das „Städtchen“ und das landschaftliche Umfeld beschrieben wurden. Die Verfasserin beteiligt die Bewohner des Quartiers Karree an der Erfindung von Orten, die sich die Bewohner selbst gestalten und aneignen sollen. Zu diesem Zweck hat sie ein Faltblatt kreiert, das den Inhalt des Liedes in reale Orte und Aktivitäten überträgt. Das Faltblatt soll den Bewohnern Anregungen vermitteln, mit denen sie eigenständig wirken können. Schlüsselbegriffe der Bearbeitung sind: „Dünensand, Poesie, Verwebung, Kühnheit“, damit sind Alleinstellungsmerkmale Luckenwaldes gemeint, wie die Wanderungen durch die Dünen im Süden der Stadt, das Liedgut, die industrielle Vergangenheit als Textilhochburg und die singuläre Architektur von Erich Mendelsohn, Willi Ludwig, Richard Neutra und anderen Baumaßnahmen aus den 20er Jahren. Ein Beispiel für eine gestalterische Intervention im Karree ist die Verwendung von Sandsäcken, die mit dem Dünensand gefüllt werden. Mit diesen Sandsäcken werden durch und von den Bewohnern neue Raumstrukturen erarbeitet, die temporäre, aber auch feste Orte markieren und Aufenthaltsqualitäten erzeugen können.

Um den Sand vor Witterungseinflüssen zu schützen und somit formbar zu halten, wird der Sand zuerst in eine wasserdichte Umhüllung verpackt. Danach wird der Plastiksack mit einem textilen Sack umhüllt. Durch Aufdrucke können die einzelnen Sandsäcke, aber auch eine Vielzahl von Säcken im räumlichen Verbund, zu Trägern von Liedtexten, Noten oder Gedichten werden. Mit diesem Aufdruck wird der einzelne Sandsack individualisiert und hörbar.

Die Verfasserin der Arbeit hat exemplarisch Orte mit den Sandsäcken verortet – wie z. B. als Straßenmöbel mit der Aufforderung zur Reduzierung von Fahrgeschwindigkeiten, die Markierung eines Thimschplatzes oder räumliche Fassungen mittels aufeinandergeschichteter Sandsäcke, die einen Kreis bilden, oder die Gestaltung einer Giebelwand durch das Anbringen von bedruckten Sandsäcken, die das Luckenwalder Lied als Text tragen. Ferner gibt es entlang der Abböschung zur Nuthe eine stufenartig gereihte Anordnung von Sandsäcken, die zum Lagern einladen sollen.

Die Aufforderung an die Bewohner des Karrees, sich aktiv an der Gestaltung von selbst definierten Orten zu beteiligen, wird mithilfe eines Faltblattes bewirkt. In diesem Faltblatt sind beispielhaft Ideen sowie Handlungsanweisungen zum „Selbermachen“ dargestellt.

Die Jury hat die Vielschichtigkeit des Konzepts überzeugt, einen ortsspezifischen Identifikationsträger zu schaffen, der auf verschiedenen Ebenen Luckenwalde repräsentieren kann: Sand als topografische Besonderheit und Jute als Reminiszenz an die Textilproduktion der Vergangenheit. Ferner hat die Verfasserin das Konzept schlüssig, prägnant und zurückhaltend plakativ dargestellt. Die Jury hat ein einstimmiges Votum für den Sonderpreis der Krull-Stiftung und den Sonderpreis der Stiftung „Berliner Leben“ abgegeben.

Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V.
Instagram | Website

Foto: Christian Lietzmann

Path Zum Seitenanfang