S-Bahn, Bus und Zug werden für ihn zum fahrenden Atelier. Christian Schellenbergers Zeichnungen entstehen bevorzugt auf Reisen. Analog zu der Entdeckung unbekannter Orte setzt die Arbeit mit Rohrfeder und Tusche einen Prozess in Gang, der von Kontrolle, Zufall und körperlichem Einsatz bestimmt wird. In der Bewegung stößt jede gesetzte Spur eine neue Geste an. Auf diesem Wege formt, wiederholt und verdichtet der Künstler verschiedene Striche, Kritzel, Linien und Schriften zu abstrakten Strukturen, die durchaus an einen Fensterblick während der Fahrt erinnern. „Ich erzeuge schriftartige Zeichen, die noch keine Bedeutung in sich tragen. Ich greife aber auch organische oder architektonische Formen auf. Generell suche ich nach allen möglichen Linien, die etwas von mir und der spezifischen Situation wiedergeben.“
Je länger die Reise dauert, desto tiefer dringt er in die zeichnerische Sphäre vor und es entstehen komplexe Serien wie die „Zugzeichnungen (Berlin – Beijing)“ (2014-2017), die er auf mehreren Bahnfahrten zwischen Berlin und Peking angefertigt hat. Kontrastierend dazu zog sich der Künstler zuletzt aus dem öffentlichen Verkehr zurück und arbeitete vorwiegend am heimischen Schreibtisch oder direkt im Ausstellungsraum. Angesichts monumentaler Wandbilder wie dem zehn Meter breiten „Schlenker“ ganz offensichtlich bei konstantem Arbeits- und Zeitaufwand.
Christian Schellenberger (*1980) hat an der Kunsthochschule Berlin Weißensee (2005-2009) und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (2009-2012) studiert. Seine Arbeiten waren zuletzt im Japanischen Kulturinstitut Köln (2019), in der Kunsthalle Recklinghausen (2018), in der Galerie b2 (2018), und im Museum der bildenden Künste Leipzig (2018) zu sehen. 2009 gewann er den Kunstpreis „junger Westen“ 09. Seine Arbeit wurde durch ein Austauschstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen für Peking (2014) und ein Stipendium des DAAD für China (2015) gefördert.