Stipendiaten 2015/2016

Patrycja German

More Lust / Less Suffering, Performance, Los Angeles, 2011

More Lust / Less Suffering, Performance, Los Angeles, 2011

In ihren Performances, Videos und Fotografien verbindet Patrycja German konzeptuelle Ansätze mit sinnlichen Erfahrungen. Mit ihrem Körper als zentralen künstlerischen Mittel thematisiert sie strukturelle Aspekte von Kunst, wie die Wirkweisen bildlicher Repräsentation sowie die Beziehung zwischen Künstler und Betrachter. In der Live-Aktion Willkommen (2008) beispielsweise hat sie Besucher einer Ausstellungseröffnung mit offenen Armen empfangen, so dass sich ihr Mantel geöffnet und ihren nackten Körper entblößt hat. Die Besucher hatten die Wahl, sich an ihre warme Haut zu drücken oder die angebotene Umarmung auszuschlagen. Indem Patrycja German das Publikum in ihren Aktionen mit körperlicher Nähe, Sexuallockstoffen oder ihrer eigenen Nacktheit konfrontiert, animiert sie zur Reflexion über Bildtraditionen, Rezeptionshaltungen und Kunstbegriffe. Während des Stipendiums will sie sich verstärkt mit Möglichkeiten beschäftigen, eine Performance aus subjektiver Perspektive zu erzählen.

Patrycja German hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert (1999-2004) und war Meisterschülerin bei Ernst Caramelle (2004-2005). Ihre Arbeiten waren u.a. im Neuen Aachener Kunstverein (2014), in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2013) und in der Fundació Tàpies, Barcelona (2012) zu sehen. Die Künstlerin hat u.a. ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats (2012), ein Schindler-Stipendium des MAK Wien (2010) und den HAP-Grieshaber-Preis der VG Bild-Kunst (2009) erhalten.

Weitere Informationen: www.patrycjagerman.de

Cyrill Lachauer

Full Service - From Walker River to Wounded Knee, 2012-2014

Full Service – From Walker River to Wounded Knee, 2012-2014

In seinen Arbeiten reflektiert Cyrill Lachauer Fragen nach der Beziehung zwischen Natur und Kultur, nach der Idee von Landschaft und Wildnis sowie nach der Verfasstheit von Orten. In Arbeiten wie dem Film 32 m.ü.NHN – 114,7 m.ü.NHN (II) von 2012, für den der Künstler verschiedenfarbigen Rauch in unterschiedlichen Höhenlagen aufgenommen hat, inszeniert er die Erfassung von Topographie als synästhetisches Erlebnis und thematisiert zugleich die Aneignung von Räumen im politischen Kontext, da Pyrotechnik verwendet wurde, die auch bei Demonstrationen zum Einsatz kommt. In Arbeiten wie Full Service (2012-2014) hingegen nutzt Cyrill Lachauer Filme, Fotografien und Texte für die eigene künstlerische Feldforschung. Das mehrteilige Werk gründet auf zahlreichen Reisen im Westen der USA, auf denen er den Nachwirkungen der europäischen Kolonialisierung, der Spiritualität der amerikanische Ureinwohner und indigenen Widerstandsbewegungen nachgespürt hat. Im Förderzeitraum will der Künstler das Land erneut durchqueren und einen fotografischen Reiseessay erarbeiten.

Cyrill Lachauer hat u.a. Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität, München (2001-2006), an der Akademie der Bildenden Künste, München (2005-2007) sowie an der Universität der Künste Berlin (2007-2010) studiert. 2010 war er Meisterschüler von Lothar Baumgarten. Seine Werke wurden u.a. im Museum Villa Stuck (2015), im Haus der Kunst, München (2014) und in der Berlinischen Galerie (2012) gezeigt. Er hat u.a. 2015 ein Villa Aurora Stipendium erhalten, 2014 das EHF 2010 Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und 2012 ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds.

Weitere Informationen: www.cyrilllachauer.net

Peter Pumpler

going down II, 2013

going down II, 2013

Das Werk von Peter Pumpler steht ebenso für analytische Betrachtungen wie für ironische Bildlösungen. Der Künstler untersucht die Malerei, indem er das Medium auf seine Grundelemente zurückführt und diese auf ungewöhnliche Weise neu kombiniert. Er faltet, rollt und stapelt Lacklachen, verdreht, verklebt und verbeult Leinwände und lässt Farben über Rahmen, Wände und Böden fließen. So reflektiert er nicht nur die materiellen Bedingungen von Malerei, sondern auch relevante Traditionslinien, indem er auf Werke konkreter Kunst anspielt, sowie Gebrauchsweisen, wenn er noch feuchte Leinwände über Galeriewände zieht (z.B. going down II, 2013). Auf diese Weise entstehen Arbeiten, denen der offensive Bruch mit Konventionen eingeschrieben ist, die aber immer auch als autonome Werke zu verstehen sind. Im Förderzeitraum will Peter Pumpler mit Legierungen experimentieren, die aufgrund ihres niedrigen Schmelzpunkts geeignet sind, amorphe Objekte herzustellen.

Peter Pumpler hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1992-1997) studiert, an der er auch Meisterschüler war (1997-1998), sowie an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (1996-1997). Seine Arbeiten wurden u.a. in der Gallery Nosco, London (2014), in der Schwartzschen Villa, Berlin (2013) und in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt (2006) ausgestellt. Er hat ein Arbeitsstipendium der Syltquelle (2007) sowie ein Landesstipendium Niedersachsen (2006) erhalten.

Weitere Informationen: www.peterpumpler.de

Projekte 2015

fluxus-garten

Ein Gartenprojekt von Mary Bauermeister

FluxusGartenDas Projekt „fluxus-garten“ der Künstlerin Mary Bauermeister ist Teil des Vorhabens, auf dem ehemals militärisch genutzten Platz vor dem museum FLUXUS+ „eine lebendige Oase der kulturellen Vielfalt“ einzurichten. Auf dem Schirrhof an der Schiffbauergasse in Potsdam soll ein Ort entstehen, an dem Kinder und Jugendliche Natur in vielfältiger Weise erfahren können. So wird ihnen ermöglicht, sowohl Pflanzen zu säen, zu pflegen und zu ernten als auch sich mit Natur künstlerisch auseinanderzusetzen. Als zentrale Anlaufstelle dient ein Projektwagen. Auf dessen Ausstellungsflächen werden Skizzen von Mary Bauermeister zum „fluxus-garten“ gezeigt sowie botanisches Anschauungsmaterial und künstlerische Arbeiten von Kindern und Jugendlichen, die vor Ort entstanden sind.

Das Projekt „fluxus-garten“ hat Mary Bauermeister 2014 anlässlich ihrer Ausstellung „Kunst(t)räume“ entwickelt, in der ihre Planungen und Entwürfe aus den 1970/80er Jahren für Geschäfts- und Privatgärten sowie Außenanlagen von öffentlichen Einrichtungen im museum FLUXUS+ präsentiert wurden. Bekannt geworden ist die Künstlerin Mitte der 1960er Jahre mit ihren „Linsenkästen“, in denen sie geschliffene Gläser mit diversen Objekten sowie Zeichnungen und Texten zu autonomen Bildräumen verschmolzen hat.

Mary Bauermeister wurde 1934 in Frankfurt a.M geboren. Sie hat in den 1950er Jahren an der Hochschule für Gestaltung in Ulm bei Max Bill und Helene Nonné-Schmidt studiert sowie an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken bei Otto Steinert. Arbeiten von ihr sind in Sammlungen zahlreicher Museen vertreten und waren in Ausstellungen u.a. im Stedelijk Museum in Amsterdam (1962), in der Galeria Bonino in New York City (1991/92) und im Museum Ludwig, Köln (2004) zu sehen.

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